Regierungskritiker Gubad Ibadoghlu in Deutschland
Der aserbaidschanische Wirtschaftswissenschaftler Professor Gubad Ibadoghlu ist nach rund drei Jahren Haft und Hausarrest in Deutschland eingetroffen. Sein Stipendium in Dresden hätte er bereits 2023 antreten sollen, wurde jedoch bei einem Besuch in Aserbaidschan verhaftet, mutmaßlich wegen seiner regierungskritischen Arbeit. 2024 wählte ihn das Europäische Parlament als einen von drei Finalisten für den Sacharow-Preis für geistige Freiheit aus.
An der TU Dresden wird er in den nächsten zwei Jahren als Stipendiat forschen, die gefährdete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützt. Zu seiner Ausreise haben insbesondere die Bemühungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beigetragen sowie der Einsatz des Europäischen Parlaments. Das Parlament hatte, auf Initiative von sozialdemokratischen Abgeordneten aus Deutschland, in mehreren Entschließungen seine Freilassung gefordert. Der Druck führte zunächst zu besseren Haftbedingungen und schließlich zur Ausreisegenehmigung. Die Anklage gegen Ibadoghlu wurde jedoch nicht fallen gelassen. Ob er in seine Heimat zurückkehren kann, bleibt ungewiss.
Udo Bullmann, SPD-Europaabgeordneter und entwicklungspolitischer Sprecher:
„Wir freuen uns außerordentlich, dass Gubad Ibadoghlu nach jahrelanger ungerechter Inhaftierung und Folter endlich nach Deutschland ausreisen durfte. Sein unermüdlicher Einsatz für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Aufdeckung systematischer Korruption in Aserbaidschan ist ein leuchtendes Beispiel für mutige Zivilcourage. Dafür wurde er 2024 vom EU-Parlament als Sacharow-Finalist nominiert. Jahrelang waren wir im engen Austausch mit seinem Umfeld und haben uns für seine Freilassung eingesetzt. Wir hoffen, Gubad Ibadoghlu bald im Europäischen Parlament begrüßen zu dürfen und mit ihm gemeinsam weiter für Freiheit und Transparenz eintreten zu können.“
Matthias Ecke, SPD-Europaabgeordneter aus Dresden:
„Es ist eine große Erleichterung, dass Gubad Ibadoghlu nach dieser langen Zeit der Ungewissheit endlich frei ist. Für Dresden ist es ein großer Gewinn, dass er nun endlich dort ist, wo er schon vor drei Jahren hinwollte: an der TU Dresden, um hier frei forschen zu können. Sein Schicksal zeigt, wie unvereinbar Wissenschaft und Autokratie sind. Autoritäre Regime können mit unabhängigen Erkenntnissen nicht leben, für sie ist freie Wissenschaft ein Feind. Umso mehr müssen wir für die Wissenschaftsfreiheit einstehen, denn sie ist untrennbarer Bestandteil jeder Demokratie.“
Gubad Ibadoghlu ist politischer Ökonom und befasst sich in seiner Forschung damit, wie rohstoffreiche Staaten mit ihren Einnahmen umgehen, mit besonderem Fokus auf Korruption und die wirtschaftlichen Folgen autokratischer Herrschaft. Seine Arbeit trug dazu bei, illegale Vermögenswerte der Aliyev-Familie offenzulegen, und veranlasste britische Behörden zu Beschlagnahmungen. Zudem zeigten seine Analysen zum Energieabkommen zwischen der EU und Aserbaidschan, dass die Gaslieferzusagen des Regimes unrealistisch sind.