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„Schluss mit Medikamenten-Engpässen“

Parlament fordert europäisches Vorgehen für bessere Arzneimittelversorgung

Ein neues EU-Gesetz für kritische Arzneimittel soll die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in der EU mit wichtigen Medikamenten sicherstellen, auch bei möglichen Engpässen. Die Kommission hatte den Vorschlag im vergangenen Jahr vorgestellt; nun positioniert sich das EU-Parlament als Ko-Gesetzgeber zum Vorschlag.

Tiemo Wölken, gesundheitspolitischer Sprecher der Europa-SPD:

„Europa muss seine Lehren aus den vergangenen Krisen ziehen. Wer dieser Tage zur Apotheke geht, hört immer häufiger, dass wichtige Medikamente nicht vorrätig sind. Das kann im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden. Wir müssen entschlossen handeln, damit Engpässe bei Medikamenten endlich der Vergangenheit angehören. Wir brauchen mehr Produktionskapazitäten in der EU, diversifizierte Lieferketten und starke strategische Partnerschaften. Gemeinsame europäische Beschaffung kann helfen, Marktfragmentierung zu überwinden und einen gleichberechtigten Zugang zu kritischen Medikamenten in allen Mitgliedstaaten sicherzustellen.

Was uns ebenfalls wichtig ist: Gleiche Umwelt- und Sozialstandards müssen für die Produktion von Arzneimitteln gelten – unabhängig davon, ob sie in oder außerhalb der EU hergestellt werden. Transparenz, Aufklärung und die konsequente Einbindung von Patient:innen sind dabei unverzichtbar. Eine solidarische europäische Gesundheitspolitik stellt die Menschen in den Mittelpunkt – und sorgt dafür, dass lebenswichtige Medikamente jederzeit verfügbar sind.“

Hintergrund: Mit der verabschiedeten Parlamentsposition geht die Institution nun in Verhandlungen mit dem Rat der Mitgliedstaaten. Engpässe bei Medikamenten betreffen insbesondere ältere, patentfreie und generische Arzneimittel. Ihre geringen Gewinnmargen machen Investitionen in die Produktion unattraktiv. Gleichzeitig setzen die EU-Gesundheitssysteme verstärkt auf kostengünstige Generika, was die Anfälligkeit der Lieferketten erhöht. Viele kritische Medikamente werden von nur wenigen Herstellern produziert, häufig außerhalb der EU. Besonders hoch ist die Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten – insbesondere aus China und Indien – bei aktiven Wirkstoffen, was das Risiko von Versorgungsengpässen weiter verschärft.

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